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Warum der Kampf gegen Steueroasen so schwierig ist

Die jüngsten Enthüllungen um die geheimen Geschäfte in Steueroasen haben gezeigt, dass der Kampf gegen Steuerhinterziehung trotz jahrelanger Bemühungen der OECD ein äußerst schwieriger ist. Kai A. Konrad und May Elsayyad vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen haben zu diesem Thema geforscht und festgestellt, dass die internationalen Bemühungen einen wesentlichen Aspekt  übersehen, der es fast unmöglich macht, den Kampf gegen die Steueroasen zu gewinnen: Weil sich die Zahl der Steueroasen in diesem Kampf immer weiter verringert, wird das Geschäft der verbleibenden Steueroasen immer lukrativer.

Der Wirkungszusammenhang ist folgendermaßen: Steueroasen bieten über die dort ansässigen Finanzinstitute und Beratungsunternehmen ihren Kunden bestimmte Dienstleistungen an; sie ermöglichen es z.B. Unternehmen, ihre Gewinne aus Hochsteuerländern umzulenken und z.B. in die Steueroase zu verlagern und so ihre Steuern zu umgehen oder zu vermindern. Auch ermöglichen sie es Steuersündern, die ihre Kapitalerträge dem Zugriff der Steuerbehörden ihres Heimatlands entziehen möchten, diese Kapitalerträge dem heimischen Fiskus zu verheimlichen. Mit diesen Dienstleistungen stehen Steueroasen im Wettbewerb zu einander. Sie konkurrieren mit den Bedingungen, zu denen sie solche „Steuersparmodelle“ ermöglichen. Solange es viele Steueroasen gibt, besteht ein scharfer Wettbewerb zwischen den Steueroasen. Die Gebühren und Abgaben, die die Steueroasen in diesem Wettbewerb durchsetzen können, sind vergleichsweise niedrig. Entsprechend gering sind die wirtschaftlichen Vorteile der einzelnen Steueroase aus dieser „Geschäftstätigkeit“. Sobald durch das Betreiben der OECD oder aus anderen Gründen viele Steueroasen ihre Geschäfte eingestellt haben, entschärft sich der Wettbewerb zwischen den Steueroasen. Auf jede einzelne Steueroase entfällt dann ein größerer Anteil des Geschäfts, und die Gebühren und Abgaben, die sich im Wettbewerb der Steueroasen durchsetzen lassen, sind höher. Damit steigt für die verbleibenden Steueroasen auch der wirtschaftliche Vorteil, den sie aus ihrem Geschäftsmodell erwirtschaften können.  Je weniger Steueroasen als solche aktiv bleiben, desto lukrativer wird dieses Geschäftsmodell für die verbleibenden Steueroasen. Diese verbleibenden Steueroasen zur Geschäftsaufgabe zu bewegen, wird dann zu einer fast unmöglichen, oder jedenfalls sehr schwierigen oder teuren Mission.

So kann der Kampf gegen die Steueroasen leicht in einer Situation enden, die noch unerfreulicher ist als die Ausgangssituation. Wo sich früher viele Steuerparadiese mit niedrigen Gebühren Konkurrenz gemacht haben, erheben später einige wenige deutlich höhere Gebühren. Das Geschäft mit denen, die Steuern vermeiden oder hinterziehen wollen, bleibt erhalten. Aber zur Freude der verbleibenden Steueroasen erhalten diese einen erheblich größeren Anteil an den Erträgen, die vor der Steuer versteckt werden sollen.

Die Anfangserfolge der OECD im Kampf gegen Steueroasen in den letzten Jahren mögen leicht über diesen Effekt hinwegtäuschen. Günstiger und mehr Erfolg versprechend als die jetzige Politik wäre laut Konrad und Elsayyad ein so genannter Big-Bang-Ansatz, bei dem die OECD in einem Aufwasch multilaterale Abkommen mit allen Steueroasen schließt.

Mehr zu den Ergebnissen der Forschungsarbeit im wissenschaftlichen Paper
Elsayyad, May und Kai A. Konrad: Fighting multiple tax havens. In: Journal of International Economics, 2012, Band 86, Heftnummer 2, S. 295 - 305. 
Download hier.

April, 2013