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Steuerliche Bedingungen von Kapitalbildung und Kapitalbeschaffung


Autor: 

Erik Röder

Wie Kapital besteuert wird, beeinflusst die Finanzierungsentscheidungen von Unternehmen. Ob Unternehmen Investitionen vorzugsweise aus einbehaltenen Gewinnen finanzieren, oder indem sie frisches Eigen- oder Fremdkapital aufnehmen, kann sich wiederum auf die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt auswirken. Beispielsweise wurde nach Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise der Vorwurf laut, dass die Tatsache, dass praktisch alle relevanten Körperschaftsteuersysteme Fremdfinanzierung bevorzugen, die Krise zumindest vertieft habe, indem sie Unternehmen anfälliger für wirtschaftliche Schocks machte.

Röder stellt in seinem Beitrag zunächst fest, dass sich die steuerlichen Bedingungen von Kapitalbildung und Kapitalbeschaffung in Deutschland nicht auf ein klares steuerpolitisches Gesamtkonzept zurückführen lassen. Formal war die Finanzierungsneutralität zwar eines der Hauptziele der Unternehmensteuerreform 2008. Faktisch wurde durch die Reform jedoch die Fremdfinanzierung massiv steuerlich begünstigt.

Gleichzeitig ist es keineswegs offensichtlich, welchem Leitbild die Steuerpolitik in der Frage der Besteuerung von Kapitaleinkommen folgen sollte. In der Finanzwissenschaft wird nach wie vor überwiegend die Auffassung vertreten, dass die die marktübliche Rendite einer risikolosen Kapitalanlage aus Gründen der Effizienz überhaupt nicht besteuert werden sollte. Allerdings ist diese Politikempfehlung auch innerhalb der Finanzwissenschaft zunehmend umstritten. Sofern Kapitaleinkommen besteuert wird, sprechen die besseren Argumente dafür, Finanzierungsneutralität anzustreben, statt bestimmte Finanzierungsformen zu begünstigen.

Ausgehend von dieser Prämisse analysiert der Beitrag verschiedene Steuerreformkonzepte, inklusive innovativer Ansätze wie der Comprehensive Business Income Tax (CBIT) und der Allowance for Corporate Equity (ACE), die zur Verwirklichung von Finanzierungsneutralität in Betracht kommen. Röder kommt zu dem Ergebnis, dass eine Duale Einkommensteuer der geeignetste Weg wäre, die Unternehmensbesteuerung dem Ideal der Finanzierungsneutralität zumindest anzunähern, ohne massive Verwerfungen im Steuersystem zu verursachen.

Veröffentlichung:   Sieker, S. (Hrsg.), Steuerrecht und Wirtschaftspolitik (DStJG Band 39). Köln, 2016, S. 307-360.