Mit ihrem nun geförderten ERC Starting Grant Projekt CompLex verfolgt Prof. Dr. iur. Dr. rer. nat. Corinna Coupette das ambitionierte Ziel, eine computationelle Systemtheorie des Rechts zu entwickeln. Diese Theorie soll Forscher:innen, Politiker:innen und der Allgemeinbevölkerung dabei helfen, die Schwierigkeiten, die unsere Rechtssysteme aktuell erfahren, besser zu verstehen und zu beheben.

Die Herausforderungen, denen unsere Gesellschaft gegenübersteht, sind sowohl dringlich als auch fundamental. Rechtssysteme spielen eine zentrale Rolle bei der Bewältigung dieser Herausforderungen, aber sie tun sich schwer, effektiv zu reagieren.
Coupettes Team kombiniert Konzepte und Techniken zur Methodenentwicklung aus der Informatik und der Netzwerkforschung mit Expertise in Grundlagen des Rechts. “Wir müssen unsere Rechtssysteme robuster, resilienter und adaptiver machen. Um dies zu erreichen, müssen wir sie besser modellieren, vermessen, und beobachten können – so wie andere komplexe Systeme. CompLex wird den theoretischen Rahmen und das methodische Werkzeug entwickeln, um dies zu ermöglichen,” erklärt Coupette.
Die Forschungsideen, die nun durch den ERC gefördert werden, haben ihre Wurzeln in Coupettes juristischer Dissertation, welche die juristische Netzwerkforschung in den deutschsprachigen juristischen Diskurs einführt und im Jahr 2018 am Institut fertiggestellt wurde. “Am Institut hatte ich die außergewöhnliche Freiheit, parallel zu meiner juristischen Promotion Informatik zu studieren. Das hat mir ermöglicht, zwei sehr unterschiedliche Disziplinen tief zu verstehen, und es hat meinen akademischen Werdegang nachhaltig beeinflusst,” erläutert Coupette, die aktuell eine Assistenzprofessur in Informatik an der Aalto Universität innehat, dem Institut aber als Research Affiliate verbunden bleibt. “Ich hoffe, dass mein ERC-Projekt mehr angehende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler inspiriert, wirklich interdisziplinäre Karrierewege einzuschlagen!”
Biografie:
Corinna Coupette ist Assistenzprofessorin für Informatik an der Aalto Universität in Finnland, Gastwissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Informatik und Research Affiliate am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen. Sie studierte Rechtswissenschaft an der Bucerius Law School und der Stanford Law School (2010–2015) sowie Informatik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität des Saarlandes (2015–2020). Coupette verfasste ihre juristische Dissertation am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen (Dr. iur. 2018, summa cum laude) und ihre Informatikdissertation am Max-Planck-Institut für Informatik (Dr. rer. nat. 2023, summa cum laude). Für ihre juristische Dissertation erhielt Coupette den Dissertationspreis der Bucerius Law School (2018) und die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft (2020). Ihr interdisziplinäres Forschungsprofil wurde mit dem Caroline von Humboldt-Preis für herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen ausgezeichnet (2022).
In ihrer Forschung untersucht Coupette, wie sich Code, Daten und Recht gemeinsam nutzen lassen, um komplexe Systeme (beispielsweise die Informationsgesellschaften unserer Zeit) besser zu modellieren, zu analysieren und zu kontrollieren. Dazu erkundet sie neue Verbindungen zwischen Recht und Informatik, wie etwa die Nutzung von Algorithmen zur Sammlung und Analyse juristischer Daten als Netzwerke oder die Formalisierung und Implementierung juristischer und mathematischer Anforderungen für verantwortungsvolles maschinelles Lernen mit relationalen Daten. Aktuell interessiert sie sich besonders für _Computationelle Rechtstheorie_ – d.h. (1) die Entwicklung rechnergestützter Methoden zum Entwurf einer datengetriebenen Theorie der Rechtssysteme und (2) die Untersuchung von Rechtssystemen als computationelle Systeme –, mit Implikationen für unsere Herangehensweise an Herausforderungen wie die Regulierung künstlicher Intelligenz, den Schutz demokratischer Institutionen und den Übergang zur Nachhaltigkeit.
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September 2025
