Philipp Georg Riehm, wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPI für Steuerrecht und öffentliche Finanzen und Jonathan Seebach, Anwalt bei der amerikanischen Kanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton LLP, haben für ihren in der Virginia Tax Review erschienen Aufsatz „From Germany with Love: Comparative Law Thoughts on the 40th Anniversary of Boulez v. Commissioner" den IFA Congress Award 2026 der International Fiscal Association erhalten. Der Preis wird im Oktober 2026 im Rahmen des IFA-Kongresses in Melbourne offiziell verliehen.
Der Aufsatz entstand während Riehms Austauschsemesters an der New York University School of Law im akademischen Jahr 2022/2023. Er beschäftigt sich mit der berühmten Entscheidung Boulez v. Commissioner des United States Tax Court von 1984, die bis heute zu den Standardfällen der amerikanischen Lehre zum internationalen Steuerrecht zählt und die steuerliche Qualifikation von Lizenzzahlungen nach Doppelbesteuerungsabkommen illustriert: Der in Deutschland ansässige Komponist Pierre Boulez stritt mit dem amerikanischen Fiskus über die Besteuerung der Einnahmen aus seinem Plattenvertrag. Während die amerikanische Finanzverwaltung von Einkünften aus selbständiger Tätigkeit ausging, wollte der deutsche Fiskus die Einnahmen als Lizenzeinkünfte einordnen.
Der Beitrag von Riehm und Seebach betrachtet den Fall aus einer rechtsvergleichenden Perspektive und rekonstruiert, wie die deutsche Finanzverwaltung den Sachverhalt seinerzeit vermutlich beurteilt hatte. Dadurch ergänzen die beiden Rechtswissenschaftler die bislang überwiegend US-amerikanisch geprägte Diskussion. Sie zeigen, dass die unterschiedlichen steuerlichen Qualifikationen letztlich auf Unterschieden im Urheberrecht – insbesondere bei der Zurechnung der Urheberschaft – in Deutschland und den USA beruhen und nicht auf einer unterschiedlichen steuerrechtlichen Auslegung des Abkommens. Diese Unterschiede führten unter dem deutsch-amerikanischen Doppelbesteuerungsabkommen von 1954 zu einer voneinander abweichenden Einordnung der Einkünfte und schließlich zu einer Doppelbesteuerung.
Die Ergebnisse reichen über den historischen Fall und die deutsch-amerikanischen Beziehungen hinaus. Der Aufsatz zeigt allgemein, wie nationales Immaterialgüterrecht die Auslegung von Doppelbesteuerungsabkommen beeinflussen kann, und verdeutlicht damit ein grundlegendes Problem der grenzüberschreitenden Besteuerung von Lizenzzahlungen. Die Analyse liefert Anknüpfungspunkte sowohl für die wissenschaftliche Diskussion als auch für die Praxis und die Weiterentwicklung des internationalen Steuerrechts.
Philipp Georg Riehm und Jonathan Seebach sind Alumni des International Taxation Program der NYU School of Law (Jahrgang 2022/2023). Die Arbeit wurde von Professor H. David Rosenbloom (NYU School of Law) und Professor Fadi Shaheen (Rutgers Law School) unterstützt.
Die International Fiscal Association (IFA) ist eine 1938 gegründete, unabhängige internationale Organisation mit Sitz in Rotterdam, die sich dem internationalen und vergleichenden Steuerrecht widmet. Ihr Ziel ist die Förderung des wissenschaftlichen Austauschs und der Weiterentwicklung steuerrechtlicher Fragestellungen sowie der finanziellen und wirtschaftlichen Aspekte der Besteuerung.
Riehm, P. G. / Seebach, J.: From Germany with Love: Comparative Law Thoughts on the 40th Anniversary of Boulez v. Commissioner. In: Virginia Tax Review, 2025, Band 44, Heftnummer 3, S. 519 - 556.
Juli 2026

